Pariser Trompeter
Es ist die älteste Frisé-Rasse. Mit ihrer Frisurenfülle sicherlich auch eine der imposantesten Rassen. Bereits 1867 wurde in Paris die erste Vereinigung von Vogelliebhabern gegründet, deren Ziel die Kultivierung des Pariser Trompeters war. Heute ist die Zucht des Pariser Trompeters weltweit verbreitet. Gerade die südlichen Länder mit wärmerem Klima, wie z.B. Italien, werden immer wieder Vögel gezüchtet, die aufgrund ihrer Federfülle und Frisurenvielfalt begeistern. Doch auch Züchter in Deutschland, Belgien und Holland haben es verstanden, ihre Zuchtstämme qualitativ an die des südlichen Europas anzugleichen und ausgezeichnete Pariser Trompeter zu züchten.
Wie und wann der Pariser Trompeter - oder Frisé Parisienne , wie er in seinem Heimatland genannt wird - entstanden ist, kann leider nicht mehr genau ermittelt werden oder besser, darüber gibt es die unterschiedlichsten Aussagen und Vermutungen. Es wird aber angenommen, dass die ersten Vögel mit Frisuren schon gegen Ende des 17. Jahrhunderts in Paris existierten. Es soll damals schon im Norden Frankreichs eine aufrechte, große und frisierte Rasse gegeben haben - in Roubaix, in Brabant und Mechelen sind sie gezüchtet worden. Oder sind diese Vögel vieleicht doch in Holland entstanden?
Die Hauptfrisuren des Pariser Trompeters sind 1. der Mantel (manteau), 2. die Stützfedern (flanquartes) und 3. die Brustfrisur (jabot).
Der Mantel wird durch Federn gebildet, die beidseitig mit einer Mittellinie zwischen Hals und unterer Rücken möglichst weit abwärts wallen. Die einzelnen Federpartien dieser Frisur müssen breit ausladend seitwärts streben - sie sollen nicht platt auf dem Rücken liegen. Die Stützfedern streben beidseitig unterhalb des Jabot nach oben. Sie müssen elastisch sein, so dass sie weder eng am Körper liegen, noch schlaff an beiden Seiten herabhängen. Sie sollen lang, breit und gut entwickelt sein. Bis zur Flügelhöhe sollen die Stützfedern aufwärts streben.
Bei der Brustfrisur reichen die Federn von beiden Seiten nach vorn um sich dort zu treffen. Während man beim Nordholländer eine möglichst gut markierte Öffnung der Brustfrisur wünscht, soll dies beim Pariser Trompeter nicht sein, sondern hier ist ein sichtbarer Übergang in die Collorette (Kragen) und Bavette (abgegrenzte Partie unterhalb des Schnabels) gewünscht. Unterhalb der Brustfrisur muss sich die frisierte Unterbauchpartie anschließen .
Zusätzlich zu den vorher erwähnten Haupt- oder Primärfrisuren hat der Pariser Trompeter auch noch die sog. Sekundär-, Neben- oder Ergänzungsfrisuren. Dieses sind: Bouquet, Olive, Collorette, Bavette und Favoriten. Nicht vergessen darf man die vielen unterschiedlichen Kopffrisuren, die den Pariser Trompeter eigentlich erst ausmachen. Hier handelt es sich um die Kopffrisur in Form eines Helmes (Casque), mal ist es die Form einer Mütze (Calotte). Aber auch die Form eines Papageienkopfes (tete de perroquet) oder einer Haube (Capuchon) sind Kopffrisuren, die bei den Trompetern vorkommen.
Jeder Trompeter ist hinsichtlich der Ausführung seiner einzelnen Frisuren ein Individualist. Gerade bei der Bewertung dieser Rasse viel Erfahrung mit diesen Vögeln dazu, um wirklich alle Einzelheiten zu erkennen, um alle Feinheiten in der Bewertung gerecht zu werden.
Bei allen Frisé-Vögeln liegt das Gefieder nicht dachziegelartig übereinander, sondern einzelne Gefiederpartien bilden Frisuren. Gerade Frisé-Vögel müssen eine besondere Gefiederqualität - sprich: Gefiederelastizität - haben, um die angestrebten und geforderten Frisuren zu bilden. Pariser Trompeter, eigentlich alle Frisé-Kanarien, entfalten ihre Gefiederpracht erst bei einer Temperatur von über 18 Grad Celsius. Außerdem benötigen sie eine längere Zeit, um das Gefieder, das durch evtl. Transport in Unordnung geraten ist, zu ordnen. Daher ist unbedingt erforderlich, dass Frisé-Vögel bei den Bewertungen immer als letzte bewertet werden und wenn möglich im Regal. Daher sollte der Ausrichter auf die Temperatur der Ausstellungshalle achten.
Der Pariser Trompeter ist eine große Frisé -Kanarienrasse in gerader Haltung. Er ist in allen Kanarienfarben einschließlich der Schecken zugelassen.
Ringgröße: 3,5 mm / Ausstellungskäfig: COM-Spezialkäfig
Bewertungskriterien lt. Standard DKB/AZ:
Kopf, Backenbart und Hals - 15 Punkte
Der Kopf ist breit und voll und steht mit den übrigen Körperproportionen im Einklang. Der Kopf zeigt Frisuren. Diese können durch zur Kopfseite fallende Federn und durch vom Hinterkopf aufstrebende Federn gebildet werden. Eine weitere Kopffrisur ist der Backenbart, das sind Federpartien, die beidseitig aus den Wangen heraus streben . Am Hals zeigt er einen ausgeprägten umlaufenden Kragen.
Mantel und Bouquet - 15 Punkte
Der Mantel ist durch einen möglichst langen und geraden Scheitel in zwei symmetrische Frisurenteile gegliedert. Die einzelnen Federn streben breit ausladend über Schultern und Flügel seitwärts. Das Bouguet ist eine Ergänzungsfrisur im unteren Teil des Mantels. Diese Sekundärfrisur besteht aus sehr weichen Federn, die unterhalb des Mantels zu einer Scheitelseite fallen.
Brustfrisur - 15 Punkte
Bei der voluminösen Brustfrisur streben die Federn von beiden Körperseiten symmetrisch in Form einer geschlossenen Muschel zueinander, ohne Öffnung der Brustfrisur.
Stützfedern - 15 Punkte
Die Stützfedern, die sich oberhalb der Schenkel befinden, streben beidseitig symmetrisch aufwärts. Die Stützfedern sind lang, breit und gut entwickelt. Sie müssen deutlich von der Brustfrisur getrennt sein.
Hahnenfedern / Olive und Bauch- 10 Punkte
Bei den Hahnenfedern handelt es sich um beidseitig von der Schwanzwurzel sichelförmig herabhängende Federn, die gut sichtbar sind. Die Olive ist ein Federkissen, das das Schwanzgefieder stützt. Sie wird gebildet durch die Federn der Unterschwanzdecke. Der Bauch ist frisiert.
Flügel / Schwanz und Beine - 10 Punkte
Die Flügel sind lang. Der Schwanz ist lang und geschlossen. Die Beine sind kräftig, mit gut befiederten Schenkeln. Korkenzieherkrallen müssen gekürzt werden. Gekürzte Krallen sind kein Ausschlusskriterium.
Größe / Form und Haltung - 10 Punkte
Die Größe ist mindestens 19 cm. Die Form ist voluminös und harmonisch. Die Haltung ist aufrecht, wobei der Kopf, Rücken und Schwanz eine gerade Linie bilden.
Kondition und Gefieder - 10 Punkte
Der Vogel ist sauber und zeigt sich in guter Kondition und Käfiggewöhnung. Auch wird in dieser Position die Sauberkeit des Käfigs berücksichtigt. Das Gefieder ist lang, fein, seidig voluminös und leuchtend.
Stand: 2010
Besondere Unterscheidungsmerkmale AGI / Pariser Trompeter:
Während beim Pariser Trompeter die Brustfrisur von beiden Seiten voluminös zur Mitte streben sollen, sollen die Federn beim AGI von unten nach oben aufwärts streben.
Die markanteste Unterscheidung liegt in der Rückenfrisur. Beim Pariser Trompeter soll die Rückenfrisur einen Scheitel bilden so dass ein Mantel entsteht. Beim AGI soll die Rückenfrisur dagegen eine "Rose" zeigen, Federn, die von einem Mittelpunkt aus nach allen Seiten streben.
Die Federn der Kopffrisur sollen sich beim AGI immer von hinten nach vorn zeigen. Die Federn der Kopffrisur bilden damit immer einen "geschlossenen Helm" - im Gegensatz zum Pariser Trompeter, bei dem die einzelnen Frisuren (Capuchon, Kragen, Favoriten) noch deutlich unterscheidbar zu sehen sind.
 
Links eine Deutlich sichtbare Rückenfrisur des AGI - eine Rosette - rechts die Rückenfrisur des Pariser Trompeters: ein Scheitel. Auf dem Foto ist auch sehr deutlich der Übergang vom Nacken/Hals in die Kopffrisur zu erkennen.
 
Hier ist die Vorderseite des AGI und des Pariser Trompeters zu sehen. Links ist die aufstrebende Brustfrisur des AGI und rechts die zur Mitte strebenden Federn der Brustfrisur des Pariser Trompeters. Bei dem Foto sind sehr gut die nach oben strebenden Federn der Brustfrisur und der Stützfedern (Flanken) zu erkennen. Leider kann man am Foto die Gefiederstruktur nicht erkennen, auf die bei den frisierten Kanarienrassen besonders zu beachten ist.
Stand: 9. Sept. .2004
Pariser Trompeter / Kopffrisuren
Bei diesen Kopffrisuren wurde keine Wertung vorgenommen. Allerdings kann man schon auf den ersten Blick oder vielleicht auf den zweiten, ob es sich um eine gute, eine hervorragende oder gar um eine schlechte Kopffrisur handelt.
 

 
 
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